Disney zerstört Leben.

Disney
Die Anwälte melden sich in 3…2…1…. Copyright: Matthias Pfeiffer

Führen wir es uns noch einmal vor Augen: Wir leben in einer Gesellschaft, in der die gefühlte Hälfte der Menschen in jeden neuen Disney-Film rennt, der in die Kinos kommt. Wohlgemerkt zur eigenen Unterhaltung und nicht um den Nachwuchs mal für anderthalb Stunden zum schweigen zu bringen. Mir ist jetzt nicht ganz klar, ob es schon immer so war, aber mir kommt es so vor, als würden vor allem im hier und jetzt Gleichaltrige (Jahrgang ca. 91) und Generationen über mir bereitwillig in Kinderfilme rumpeln. Und dass es ganz selbstverständlich ist, gefragt zu werden, ob man in den neuen „Minions“ geht.

Nun, aber was spricht gegen ein wenig Weltflucht aus dem tristen Erwachsenen-Alltag in schnuffig-naive Animationsreiche? Adorno hat das mal ganz gut zusammengefasst:

Da spricht schon eine ganze Menge dagegen. – Theodor W. Adorno

Sehr schön. Im Endeffekt ist es allerdings nur konsequent als Erwachsener diese Filme zu besuchen, da nur hier das Weltbild bestätigt wird, dass sich durch den Konsum in den Kindertagen verfestigt hat. Und dieses Weltbild ist gleich in mehreren Punkten ungesund. Ich habe mir mal die „Mühe“ gemacht, die wichtigsten aufzulisten.

Illusion I: Es ist in Ordnung überall zu singen und zu tanzen
Man könnte das auch auf Formen des Musiktheaters zurückführen, aber soweit wollen wir mal nicht ausholen. Die Selbstverständlichkeit mit der in Disney-Filmen geträllert wird, bildet im jungen Gehirn irgendwann den Gedankenknoten „Ich kann jederzeit singen wo ich will und alle machen mit“. Natürlich kennen auch alle den Text von selbst und unterbrechen ganz selbstverständlich ihr Tagewerk. Es gibt nicht wenige Menschen, für die diese Musik-Einlagen der unangenehmste Teil eines Disney-Films sind. Und sein wir ganz ehrlich: Menschen, die mir nichts, dir nichts neben einem zu singen anfangen, sind unerträglich. Das hat nichts mit dem ach-so-engen Korsett der Gesellschaft zu tun, es ist einfach so.

Illusion II: Tiere sind im Grunde auch Menschen
Man könnte das auch auf die literarische Form der Fabel zurückführen, aber soweit wollen wir mal nicht ausholen. Es geht hier auch gar nicht um die anthropomorphen Tierwesen wie Mickey und Donald, sondern um die Tiere, die auch wirklich noch Tiere sind. Also Susi, Stroch, Cap, Capper, diese Ziege mit dem Ohrring und diverse Pferde. Hier wird das doch recht schräge Bild verbreitet, die Tiere würden untereinander wie Menschen kommunizieren. Und außerdem das noch schrägere Bild, Tiere würden mit Menschen kommunizieren wie Menschen untereinander. Zugegeben, es ist unmöglich einen Film zu drehen, der sich wahrhafter animalischer Kommunikation bedient, deshalb könnte man diesen Punkt noch durchgehen lassen. Auf der anderen Seite vermute ich hier den Keim der Unart, seinem Hund Klamotten zu kaufen und ihn zu behandeln wie den Liebhaber, den Nachwuchs oder WG-Mitbewohner. Der abendfüllende Familienfilm „Tierische Liebe“ von Ulrich Seidl sei hier empfohlen.

Illusion III: Die Schönen sind die Guten
Man könnte das auch auf diverse Märchen und Sagen zurückführen, aber soweit wollen wir mal nicht ausholen. Nun, es gibt im Disney-Universum schon die eine oder andere heiße böse Königin, Zauberin, etc. Das bereitet einen ganz gut auf Real-Life-Ungeheuer wie Heidi Klum vor. Die ich ich jetzt gar nicht so attraktiv finde, aber…
Anders herum fällt mir kein Disney-Held ein, der ein potthässlicher Fettkloß ist. Gut, Quasimodo gibt es. Bekommt Quasimodo das Mädchen? Na also. Natürlich ist dieser Punkt nicht auf Disney beschränkt, sondern zieht sich lang, breit und quer durch die Kultur. Die übergewichtige Pickel-Prinzessin ist eben auch nichts, was man gerne als Bettwäsche-Motiv hat.

Illusion IV: Häää? Das war ja im Film ganz anders
Worauf kann man das zurückführen? Egal. Hier geht es um die Verwässerung, die Disney seit jeher bei der Übernahme der Originaltexte betreibt. Ich will hier nicht ins Detail gehen, das würde zu viel Platz rauben, stattdessen gibt es einen Link. Jaaaa, man kann den Kinderchen keinen Splatter vorsetzen, aber früher oder später entdecken sie die Originale und dann ist das Geplärre groß. Dann wird diese Erkenntnis mit #RuinedMyChildhood bei Facebook gepostet. Soviel dazu. Aber zum Schluß die härteste Illusion, die durch Walts Streifen eingetrichtert wird:

Illusion V: Alles führt zu einem guten Ende
Das kann man sicher auch irgendworauf zurückführen. Es dürfte vielleicht einige überraschen, aber diese Information sollte man nicht unter Verschluss halten: Das Leben hat nicht automatisch ein Happy End. Und nach dem Tod laufen auch keine Buchstaben von unten nach oben. Es gibt unzählige Schicksale die ganz und gar nicht positiv enden. Beispiele würden den Rahmen sprengen. Aber der Jungspund mit Disney-Doping stolpert durch die Welt und meint, es gehe sowieso alles gut aus. Und zeigt sich dann eine, wenn auch vorübergehend aussichtslose, Situation, dann zerbricht der Jungspund daran und versteht die Welt nicht mehr. Natürlich kann man Kindern auch keinen Shakespeare vorsetzen, bei dem am Ende alle Beteiligten tot sind. Die Moral, dass es nur denen schlecht ergeht, die es verdient haben und der siegt, der das Gute will und sich anstrengt, ist aber nun mal nur eine Seite der Medaille. Darüber können auch die Alibi-Leichen auf der Seite der Guten nicht hinwegtäuschen. Sagen wir es so: Bei Disney hätte Georg Elsers Hitler-Attentat geklappt. Und Elser würde mit einer schönen Frau in einem Schloss leben. Bis heute. Nach der letzten Szene geht sowieso alles gut weiter bis in alle Ewigkeit.

Wirklich? Wagen wir ein Gedankenexperiment und tun so, als hätte die Direct-to-Video-Fortsetzung zum „König der Löwen“ nie existiert. Schauen wir mal, wie das Leben von Simba und co. nach der letzten Szene weitergehen könnte:

Simba ist nun eben der König der Savanne und herrscht halt. Gar nicht mal schlecht, aber es gab auch schon mal Bessere. So weit, so mittelmäßig. Nun regt sich aber Widerstand im Volke, genauer gesagt, von der Seite der Gazellen. Die wollen nicht weiterhin die Arschkarte im Circle of Life ziehen und als lebende Lebensmittel doof rumspringen. Die ersten Demonstrationen werden von Simba noch hinweggelächelt. Als allerdings das Wasserloch besetzt wird, entfleucht ihm die unglückliche Bezeichnung „Untertiere“. Es folgt ein Anschlag einer terroristischen Gazellen-Zelle (!), bei der die Tochter von Simba ums Leben kommt. Nala verfällt in tiefe Depressionen und stürzt sich von dem Felsen, von dem aus damals das Neugeborene den Untertanen präsentiert wurde. BAMM! Simba kennt nur gar kein Halten mehr und wandelt sich vom pasablen König zum kaltblütigen Diktator. Was folgt sind Bürgerkrieg und Folter und Ghettos und Klump und Zeugs. Außerdem zerstreiten sich Timon und Pumba wegen einer Frau. Ich glaube mein Punkt sollte klar sein.

So, und was machen wir jetzt konstruktives? Richtig, wir starten eine Petition für mehr Realismus in Disney-Filmen. Das ist halt nur ziemlich uncool. Ähnlich wie dafür einzustehen, den McChicken für 1 € zu verkaufen oder Rudi Völler ein Denkmal aus Gold in der Duisburger Innenstadt zu errichten. Joa, was  noch? Disney-Filme haben immer ein gutes Ende. Dieser Text nicht.

P.S. Das einzige Kleidungsstück, das ein Hund tragen sollte, ist ein Halstuch. Süß.

P.P.S. Es ist mir unmöglich, dass D im Walt Disney-Schriftzug nicht als umgedrehtes G zu sehen. Das wird auch nichts mehr.

P.P.P.S. Ich kann nicht mehr.

Advertisements

Nein, in den Club 27 muss ich echt nicht.

Club-27
Club 27 Starter Kit. Copyright: Matthias Pfeiffer

 

Als ich neulich an der Fleischtheke vorüberging, wurde mir wieder die Endlichkeit des Lebens bewusst. Ich kaufte mir natürlich trotzdem einen Schweinebatzen, den ich später ungewürzt und beilagenlos verzerrte, jedoch ging mir diese Einsicht nicht aus dem Kopf. Ich entschloss mich jedoch, mich weiter in die gedankliche Düsternis zu vertiefen, um mich von der schmerzhaften Verdauung des Schweinebatzens abzulenken.

Und da kam mir folgendes: Würde ich nun musikalisch aktiv werden und nach meinem Geburtstag im September sterben, würde ich Mitglied des Club 27 werden. Für alle, die es nicht wissen: Dieser eingetragene Verein setzt sich aus Musikern zusammen, die allesamt mit 27 das Zeitliche segneten. Natürlich sind da unzählige Mitglieder dabei, die meisten interessiert allerdings nur der harte Stammtisch, bestehend aus Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Brian Jones, Janis Joplin und Jim Morrison. Ich stelle mir vor, dass es in diesem Club verschiedene Rangstufen gibt. Ganz oben stehen die, deren Tod möglichst tragisch, mysteriös oder drogenbedingt war. Danach folgen die Wald- und Wiesen-Todesarten, bis dann ganz unten die stehen, deren Ablebensumstände nicht richtig ernst genommen werden können. Als Beispiel dient hier Leo Strobinger, Bassist der Fun Punk-Band Willy und die Pommes, der aus Unachtsamkeit in einen offenen Gulli fiel und sich das Genick brach.

Mir liegen nun keine Statistiken vor, wie viele zweitklassige JUZ-Musiker sich so zu Grunde richten, dass sie genau mit 27 abkratzen, aber ich glaube, die Zahl ist relativ hoch. Zu denen will ich nun allerdings wirklich nicht gehören. Im Grunde will ich überhaupt nicht in diese Vereinigung. Das hat nun weniger mit meiner Lebenslust zu tun, sondern eher damit, dass ich mit dem harten Stammtisch wenig bis nichts anfangen kann. Die Vorstellung unter Rockgrößen dahinzuvegetieren, die immer 27 bleiben, gehört nicht zu meiner Vision des Garten Eden. Ja, die betreffenden Musiker haben auch Sachen gemacht, die mir an einigen Ecken und Enden gefallen, aber so richtig vom Hocker hauen sie mich alle nicht. Und will man sich wirklich in einer Tour von Jim Morrison anhören, dass er der Lizard King ist? Eben. Am ehesten würde ich mich sicher mit Kurt Cobain verstehen, dessen dokumentierten Musikgeschmack ich um einiges interessanter finde als sein eigenes Schaffen.

Nun, es gäbe einige tote Musiker mit denen es aufregender wäre einen Plausch zu führen. Frank Zappa wäre so jemand, weiterhin Captain Beefheart, Wesley Willis, David Bowie und – ja, is so – Lemmy. Letzterer gehört im Großen und Ganzen zu den einzigen Sex-Drugs-Rock ’n‘ Roll- Typen, die ich gut leiden kann. Das kommt vor allem daher, dass es bei ihm nicht wie Show oder Selbstinszenierung wirkt, sondern – Achtung, Auslutschungsalarm! – authentisch und unüberheblich. Weiterhin hatte er hier und da noch was kluges zu sagen und außerdem Lebenserfahrung. Und die führt meiner Meinung nach zu sehr schönen Gesprächen. Was erzählt der Rest? I am the Lizard King. Andererseits könnte auch ein Treffen mit Dead (Mayhem) interessant sein, der noch vor seinem 27. Geburtstag aus dem Leben schied. Nun begibt man sich in Gefahr, geisteskranke Menschen und ihr Leiden zu glorifizieren, aber auf der anderen Seite: Jemand, der vor Konzerten an einem toten Raben riecht, sagt mir mehr zu als jemand der seine E-Gitarre mit den Zähnen spielt. Punkt.

Was man noch ergänzen sollte: Lemmy ist kein Gott. Dead ist kein Gott. Genausowenig wie keiner der genannten Musiker ein Gott oder Übermensch ist, dem man zappelnde Opfergaben vorwerfen muss. Und die ganze Club 27- Angelegenheit ist für mich nur eine Ausgeburt des modernen Bedürfnisses nach Mythen, in die man sich als aufgeklärter Mitteleuropäer flüchten darf. Dessen sollte man sich grundsätzlich bewusst sein. Wirklich nicht schwer.

Genausowenig aber sollte man nicht in die überhebliche Richtung abdriften, die jegliches Fantum als pubertär und herdentriebgesteuert abtut. Ich denke mal, dass jeder, für den Musik mehr ist als Untermalung zum bügeln, seine Idole hat zu denen er aufblickt. Kann man dagegen grundsätzlich was sagen? Sollte man zumindest nicht, selbst wenn die Idole durchaus fragwürdig sein können. Aber viele Leute leiden eben an der Ich-Störung, cool sein zu müssen. Und Coolness verbietet eben jede Art von Enthusiasmus, Nostalgie und Romantik. Jedenfalls wenn man Coolness mit der puren Abwesenheit von Gefühlen verwechselt. Und lieber trage ich fünf Bandshirts übereinander, bevor ich irgendwann meine Freunde mit Aussagen nerve wie: „Joa, ich glaube, ich komme schon mit aufs Konzert, auch wenn sie sich auf den letzten zwei Platten nicht besonders weiter entwickelt haben. Ich hoffe es ist ok, wenn ich dann etwas am Rand bleibe. Was will ich in der ersten Reihe? Das sind auch nur Menschen, die halt Instrumente spielt“. Solche Typen brauchen im Grunde keine Ohren. Und jetzt sollte ich mir noch einen Schweinebatzen gönnen, bevor der Text gar nicht mehr aufhört. Heute mal mit Soße. Was es wohl im Club zu essen gibt? Bestimmt Bio-Suppe.

P.S. Gute Sketch-Idee: Ein Klassik-Anhänger bekommt von einer Fee die Möglichkeit mit seinem großen Idol Beethoven zu reden. Er vergisst allerdings, dass Ludwig van taub war und er selbst keine Gebärdensprache kann. Die beiden sitzen sich verschämt und unangenehm berührt gegenüber. Ende.

P.P.S Willkommen im Club 70, France. RIP

 

Ganz Weihnachten in vier Fotos

xmas3
Eine originalgetreue Nachbildung des Weihnachtsmannes (Fantasyfigur)
xmas2
Jesusdarstellung am Sendlinger Tor (reale historische Person)
xmas
Auch fiktiv, aber immer wieder herzerwärmend: Rudolf (hinter der Filmreklame)
weihnachtsessen
Und mehr als befriedigend: Mein Festschmaus

Depro-Dog und ich wünschen euch, dass euer Weihnachten nicht ganz so schlimm ist.

 

24 Zitate, die nie in einem Adventskalender stehen werden

adventskalender
Was verbirgt sich wohl hinter diesem Türchen? Copyright: Matthias Pfeiffer

Kürzlich plünderte ich mit Freunden einen Adventskalender der Firma L****. Die Besitzerin hatte ihre Öffnungspflicht bereits seit mehreren Tagen vernachlässigt, sodass wir in den Genuss diverser Schokoladenköstlichkeiten kamen, die wir langsam in unseren Mundhöhlen schmelzen ließen. Nun hatte besagter Adventskalender jedoch nicht nur etwas für den Gaumen, sondern auch etwas fürs Gemüt zu bieten. Und natürlich nicht irgendwas, sondern lebensbejahende Zitate großer Geister (Goethe und die üblichen). Nun ist das mit dem Positivismus wie mit Süßstoff. Nimmt man zu viel wird es widerlich. Sicher mag es den einen oder anderen aufheitern, täglich mit schöngeistigem Geschwafel konfrontiert zu werden, doch unsereiner hat dafür eher weniger Sinn. Deshalb suchte ich einige Zitate zusammen, die die Lebensbejahung eher neutralisieren und deshalb auch nie in einem Adventskalender stehen werden. Ich wünsche viel Vergnügen beim durchgehen.

1. „It doesn’t matter, if we all die“ – The Cure – One Hundred Years
2. „Der Sinn des Lebens besteht darin, dass es endet“ – Franz Kafka
3. „Nichts ist komischer als das Unglück (natürlich anderer)“ – Samuel Beckett
4. „Aus kleinen Missverständnissen gegenüber der Wirklichkeit zimmern wir uns Glaubensvorstellungen und Hoffnungen zurecht und leben von den Brotrinden, die wir Kuchen nennen, wie arme Kinder, die Glücklichsein spielen.“ – Fernando Pessoa
5. „Das Leben verlieren ist keine große Sache; aber zuschauen wie der Sinn des Lebens aufgelöst wird, das ist unerträglich.“ – Albert Camus
6. „Die Wilden fressen einander und die Zahmen betrügen einander, und das nennt man den Lauf der Welt.“ – Arthur Schopenhauer
7. „Was hat sie dir zu bieten, die große weite Welt? Außer Blut, das sich mit Tränen mischt und Schlägen ins Gesicht?“ – Chaos-Z – 45 Jahre
8. „Der Witz ist das Epigramm auf den Tod eines Gefühls.“ – Friedrich Nietzsche
9. „Jetzt erst weiß ich, was im Leben wichtig ist. Wichtig ist, das man weiß, dass nichts wichtig ist.“ – Roman Polanski
10. „Sogar wenn man nichts mehr vom Leben zu erhoffen hat, bleibt immer noch etwas zu befürchten.“ – Michel Houellebecq
11. „Nur wenig ist anregender als die erste gelungenene Missetat.“ – Marquis de Sade
12. „Wirkliche Einsamkeit hat nicht unbedingt damit zu tun, wie alleine man ist.“ – Charles Bukowski
13. „It is not a good time out in the world for emotions anymore.“ – Rainer Werner Fassbinder
14. „Sleepin‘ in my piss / I’m wakin‘ up all wet / And when it’s time to take a shit / It’s bloody fuckin‘ red“ – GG Allin – Sleeping in My Piss
15. „Ich gebe meinem Psychiater noch ein Jahr, dann fahre ich nach Lourdes.“ – Woody Allen
16. „Das Fremde hat uns im Netz, die Vergänglichkeit greift ratlos durch uns hindurch…“ – Paul Celan
17. „Die Hölle, das sind die anderen“ – Jean-Paul Sartre
18. „Irgendwie alles n‘ Scheiß“ – Matthias Pfeiffer
19. „Diejenigen Tugenden werden am lautesten gepriesen, zu deren Ausübung weder Gedankenarbeit, noch Energieentfaltung, noch Selbstüberwindung gehört, vor allem also diese beiden: Patriotismus und Gottesfurcht.“ – Arthur Schnitzler
20. „Dass andere anders sind, anders denken, anders handeln, ist nur halb so schlimm wie die Tatsache, dass sie überhaupt da sind.“ – Simone de Beauvoir
21. „Optimismus: die Torheit zu behaupten, daß alles gut sei, wenn es schlecht ist.“ – Voltaire
22. „Der Pessimist ist jemand, der vorzeitig die Wahrheit erzählt.“ – Cyrano de Bergerac
23. „Egal, wie gut du irgendetwas kannst: Es gibt immer ungefähr eine Million Leute, die es besser können.“ – Homer Simpson
24. „Wer meinetwegen seine Familie verlässt und Frau und Kinder im Stich lässt, wird hundertfach belohnt werden und das ewige Leben empfangen.“ – Jesus Christus

Wer nun Lust hat, diesen Kalender in Produktion zu geben, soll mich bitte am Gewinn beteiligen. Allerdings sollte keine Schokolade drin sein. Vielleicht grüne Paprika?

P.S. Wer Nietzesches „Gott ist tot“- Zitat vermisst, dem soll gesagt sein, dass dieses Zitat wohl zu den verkürztesten und aus dem Zusammenhang gerissensten gehört, die es gibt. Und in seiner vollständigen Form würde es wohl auf keine Türchenrückseite passen.

P.P.S. Danke an die unzähligen Zitate-Sammlungen im Netz.

P.P.P.S. Warum gibt es davon so viele?
 

Vergiss deine Freunde!

freunde
Ein Leben nur mit Kunst? Totale Entspannung! Copyright: Matthias Pfeiffer

Ohne langes Einleitungsgeplänkel: Heute geht es ums alleine sein. Was nicht zu verwechseln ist mit der Einsamkeit, die vor allem während der jetzigen Zeit des Jahres wieder deutlich spürbar ist. Nein, es geht darum, irgendwo zu sein ohne jemanden dabei zu haben. Und das scheint für viele eine Horrorvorstellung zu sein, vergleichbar mit der genannten Herbst- und Wintereinsamkeit.

Wie komme ich darauf? Nun, kürzlich sah ich ein Video des sehenswerten Youtube-Channels „Die Filmanalyse“. Das Video werde ich am Ende des Textes verlinken, denn wenn ich das hier mache, weiß ich ganz genau was passiert. Ihr klickt sofort drauf, schaut es euch an und sitzt dann im Youtube-Ghetto fest, da man auf der rechten Seite ja wieder soooo viele interessante Sachen sieht. Und der Text hier ist dann für die Katz. Nun, in besagtem Filmchen zählt Wolfgang M. Schmitt Junior acht bescheuerte Ausreden auf, nicht ins Kino zu gehen. Neben den großartigen Begründungen „Es läuft Fußball“ und „Die Sonne scheint“, nennt er hier auch etwas, das mir ebenfalls seit Jahren sauer aufstößt: „Ich wäre ja gerne gegangen, aber es wollte niemand mitkommen.“ Ja, das bekam ich selbst im eigenen Freundeskreis zu hören, in dem einige Leute verkehren, die genau wie ich begeisterte Kino- und Konzertgänger sind. Kommt euch folgender Dialog auch bekannt vor?

„Hey, wie war es am Samstag bei Krachrumpelcombo XY?“
„Ach, Huppi und Fluppi hatten keine Zeit, da hab ich nen Ruhigen geschoben.“

Puh…

Nun, deshalb ist ein kleiner Appell dringend von Nöten: Vergesst eure Freunde! Zumindest wenn es um den Genuss von Kunst oder ähnlichem geht. Manche Leute würden auch zuhause bleiben, wenn Martin Scorsese, Georg Baselitz und Madonna im Münchner Olympiapark einen Stepptanz aufführen würden, nur weil der grenzdebile BFF keinen Bock oder keine Zeit hat. Nun, es ist verständlich, wenn man sich davor scheut alleine zum Essen oder zum Saufen zu gehen. Da gibt man leicht ein mitleiderregendes Bild ab. Andererseits kann ein solcher Rausch ganz für sich allein auch ganz nett sein. Dazu aber wann anders. Heute geht es um die Kunst. Wozu brauche ich Freunde, wenn ich mir einen Film, eine Band oder eine Ausstellung zu Gemüte führen will? Muss man denn immer alles als Massen-Knallchargen-Event sehen, das man im Rudel genießen muss?

Die Menschen glauben gar nicht, um wie viel intensiver einen ein Kunstwerk ansprechen kann, wenn man es separiert betrachtet. Es ist zwar immer schön einen Moment zu teilen, ich erinnere mich an einige Konzerte, die vorallem mit meiner Begleitung ein Schmankerl waren. Aber wenn es keine Begleitung gibt, dann gibt es eben keine. Auch der anschließende Plausch beim Bier oder Wein ist ein schönes Ereignis. Aber in jeder Spelunke findet sich ein Eckplatz, in der man ungestört mit sich selbst sprechen kann. Und wenn es um den Kinobesuch geht, dann soll dieser Vergleich reichen: Einen Film sehen ist wie sterben. Es können noch so viele Leute um einen rum sein, das Erlebnis hat man für sich alleine.

Aber was genau treibt denn die Leute dazu, alles sausen zu lassen, wenn sich kein Sau sehen lässt (Wortwitz)? Ob sie wirklich nur nicht alleine sein wollen ist fraglich. Schließlich bleiben sie dann in den meisten Fällen daheim und zwar ALLEIN. Es ist wohl eher – mal bewusst, mal unterbewusst – der soziale Druck. Man hat Angst vor der Meinung der Grüppchen, die einen sehen und denken: „Och guck mal, der hat sicher keine Freunde, sonst würde er sich den ‚Faust‘ sicher nicht ohne Clique ansehen. Einsame Leute sind echt das Letzte“. Was soll man jetzt von Leuten halten, die sich darüber Sorgen machen, was andere Leute, die man wahrscheinlich nie wieder sehen wird, über einen denken könnten? Eben, nicht sehr viel. Und jeder Leser, der dem beipflichtet, sollte seine Meinung nun mit Kopfschütteln unterstreichen.

Außerdem gibt es da noch die vielen Nachteile des gemeinsamen Weggehens. Das Offensichtlichste: Der Laberreiz. Gruppen im Kino oder Theater können es seit der Erfindung des des roten Vorhangs nicht lassen: Jeder Dreck muss kommentiert, ausdiskutiert und analysiert werden. Damit ist nicht die kurze sarkastische Anmerkung gemeint, die man seinem Partner schnell ins Ohr flüstert, sondern die Knallköpf*innen, die meinen, sie wären alleine im Kino bzw. im Theater. Wenn man dann noch bedenkt, dass sie überhaupt nicht da wären, wären sie allein, ach egal… In Museen oder Galerien herrscht ein anderes Problem vor. Je mehr Leute sich in Grüppchen bewegen, desto mehr stehen sie nebeneinander vor den Bildern rum und versperren die Sicht. Und auf Konzerten hat man folgende Kandidaten: Die zwei Typen, die immer in der ersten Reihe stehen und sich während und zwischen den Songs über die Konzerte unterhalten, die sie bereits alle zusammen gesehen haben und gern alles sarkastisch kommentieren, was auf der Bühne geschieht. Einer von beiden hat meist einen Pferdeschwanz. Hier sehen wir einen weiteren Grund, warum man öfters alleine irgendwohin gehen sollte. Einfach die Rücksicht vor den anderen.

Vielleicht muss man auch an irgendeinem Punkt einsehen, dass Kultur für viele nur ein Mittel ist, die Zeit rumzubringen. Und zusammen rumgebrachte Zeit ist halbe Zeit. Aber vielleicht hat dieser  ja den einen oder die andere dazu gebracht, das eigene Verhalten ein wenig zu hinterfragen. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass die Sich-angesprochen-Fühlenden längst wutschnaubend auf „Tab schließen“ geklickt haben. Nun, solange sie zum lesen keine Gesellschaft brauchen, ist immerhin noch nicht alles verloren.

P.S. Hier besagtes Filmanalyse-Video

P.P.S. Am Samstag geht es auf eine Konzert nach Augsburg. Mit Begleitung.

P.P.P.S. Ich kann mich an genau einen Kinobesuch erinnern, bei dem ich völlig alleine im Saal saß. Da hat wohl wirklich gar niemand irgendwen gefunden. Auf Konzerten ohne Besucher war ich – glaube ich zumindest – noch nie.